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Die neue 3D-Print Technik ist in der Modebranche angekommen. So ersetzen die Technologie-Kenntnisse das klassische Handwerk

Iris van Herpen ließ sich früh von den Möglichkeiten der Technologie inspirieren. Sie schuf die erste jemals gezeigte 3D-Druck-Kollektion, die durch ihre Steifigkeit und Dramatik eher einer Rüstung als der Mode ähnelte. Weitere Designer griffen die Idee auf und ließen sich in die Welt der neuen Gestaltungsmöglichkeiten verführen - Schuhe, Bikinis, Abendkleider, Taschen und Sonnenbrillen – alles schien „druckbar“ zu sein. Forschungsprojekte wurden initiiert und Labes ins leben gerufen, die sich ausschließlich dem Verfahren widmen.

Aus einem modischen Gag, der zunächst vor allem Popstars von Björk bis Lady Gaga für deren exzentrische Inszenierungen aufgreifen, könnte also in naher Zukunft eine ernstzunehmende Konkurrenz für herkömmlich produzierende Mode- und Textilindustrie werden.

Die 3D-Technologie ermöglicht den jungen Designern, die mit kleinen Auflagen experimentieren, eine größere Freiheit. Sie liefert ein weiteres Instrument für gestalterische und Produktionsprozesse. Designs, die zuvor zweidimensional auf dem Papier entworfen und auf dem Tisch zugeschnitten worden sind, können vom Anfang bis Ende dreidimensional aufgebaut werden.



Zusammen mit dem Architekten Francis Bitonti hat Designer Michael Schmidt das Kleid für Dita Von Teese entworfen und gedruckt. Hergestellt wurde das Kleid in Sintertechnologie von Shapeways. Um die maximale Flexibilität zu erreichen wurden hierfür 17 gedruckte Einzelteile von Hand zusammengesetzt, gefärbt mit ca. 12.000 Swarovski-Kristalle geschmückt.




Die gestalterischen Möglichkeiten des 3D-Druck-Technologie für tragbare Erzeugnisse sind auf den ersten Blick unerschöpflich. Das Druckverfahren eröffnet die Tür für den Sprung im designerischen Progress, weil es zuvor nicht realisierbare Formen und Materialverbindungen erlaubt. Gleichzeitig bieten sich ungeahnte wirtschaftliche Vorteile für die Industrie, die wiederum die ganze Branche neu aufstellen können. So ist es nachvollziehbar, dass einige Befürworter des Verfahrens der Technologie bereits im nächsten Jahrzehnt einen großen Durchbruch prophezeien.

Doch noch sind wir weit davon entfernt. Sowohl handwerkliche als auch industrielle Fertigung in der Modebranche ist komplex, viele Prozesse werden nach wie vor in Handarbeit abgewickelt, sie werden unmöglich durch einen oder mehrere Drucker ersetzt werden können. Außerdem sind wir als Träger an natürliche Materialien und zusammengenähte Schnitte gewöhnt, unsere Ansprüche an Haptik, Faltenwurf und Qualität werden mit der derzeitigen Oberflächenkonstruktion noch lange nicht erfüllt.

Ein großes Hindernis stellt die begrenzte Palette der zur Verfügung stehenden Materialien dar. Die künstlichen Werkstoffe waren ursprünglich für Raumfahrt und nicht für das Design gedacht. Demensprechend sind diese für die Haut unangenehm und für Beweglichkeit zu robust.



Sportmarke Nike hat die ersten Fussballschuhe für American Football-Spieler mit 3D-Technologie umgesetzt.

Physische Eigenschaften wie Reisfestigkeit und Abnutzung der gedruckten Oberflächen sind zum Teil deutlich besser als wir es von den Naturfasern kennen. Den physiologischen Eigenschaften der herkömmlichen Kunstfaser sind die Werkstoffe des 3D-Druckers jedoch noch nicht gewachsen.



Das New Yorker Label Continuum präsentiert den Bikini N12 aus dem 3D Drucker auf Maß, der über Shapeways' Website für 300 Dollar erworben werden kann. Mittlerweile haben Designerinnen Mary Huang und Jenna Fizel weitere Modelle, Schuhe und Accessoires entwickelt, zum Beispiel diese Schuhe aus dem Drucker.




Wir kennen alle die hervorragende Eigenschaften der Qualitäts-Sportkleidung: Wasser- und Luftdurchlässigkeit, Wärmeisolation und –transport, hervorragende Wasch- und Pflegeeigenschaften, starke Leistungsfähigkeit im Gebrauch und nicht zuletzt die angenehme Haptik und das Tragekomfort. Diese sind zum Teil auf die Faserstruktur zum Teil auf die Gewebekonstruktion zurückzuführen. Natürlich spielen die Nahtführung, -beschaffenheit, -qualität eine große Rolle in der Sportproduktion und erfüllen wichtige Funktionen. Nun entfallen beim 3D-Print alle diese drei Komponenten (Faser, Gewebe, Naht) und müssten theoretisch in die Oberfläche konstruiert werden, um identische Funktionalität erreichen zu können. Das ist die eigentliche Herausforderung der neuen Technologie.

Philip Delamore, Direktor der Forschungsabteilung beim London College of Fashion, denkt, dass die Entwicklungen der 3D Print Technologie in Biobranche, wo lebendes Gewebe, wie das der menschlichen Haut und Organe nachempfunden werden, eine größere Verheißung bieten. Es sind spannende Dinge rund um Medizin und Biomaterialien mittlerweile entstanden, die Modewelt, sagt er, sollte vielleicht diese Fortschritte adoptieren oder interpretieren. Er kann sich vorstellen, dass, wenn Protein oder ähnliche Substanzen gedruckt werden können, der Schritt zur gedruckten Seite und anderen natürlichen Materialien nicht weit wäre.

Chris Sanderson, Direktor für Strategie und Entwicklung an der Future Laboratory, denkt, dass das Potenzial für 3D-Druck riesig ist, aber er glaubt, es gehe mit anderen 3D-Technologien wie 3D-Weben und Stricken Hand in Hand, wo Stoff gleich als Rundestrick oder -gewebe und nicht als Fläche erstellt wird.

Gelingt es der 3D-Print-Technologie die Konstruktion der äquivalenten Oberflächen, erwartet das Verfahren eine große Zukunft. Denn die wirtschaftlichen Vorteile solch einer Produktion könnten sehr attraktiv sein.
Sie fangen mit dem Design an und enden mit der Kundenbestellung. Ob individuelle Anfertigung oder Massenproduktion die herkömmliche Logistik der Mode- und Textilindustrie kann auf den Kopf gestellt werden. Die Produktion kann dort stattfinden, wo nachgefragt wird. Die Abhängigkeit von Entwicklungsländern wird damit reduziert, die Produktions- und Lieferzeiten verkürzt. Das Kleid, die Tasche, die Schuhe, ausgelöst durch Bestellvorgang im Internet, können theoretisch aus dem Heim-Drucker kommen...

Wir benötigen dann eine andere Art Spezialisten – Software Entwickler, IT-Experten. Der Beruf des Schneiders - bereits heute eine Seltenheit - wird exotisch und ein klassisch hergestellter Maßanzug möglicherweise zum absoluten Luxusprodukt. Doch die Erfahrungen und das Know-How der Schneiderkunst werden der neuen Technologieentwicklung noch lange dienen.

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Die 3D-Printtechnologie ist ein computergesteuertes Verfahren, bei dem dreidimensionale Werkstücke aus flüssigen oder pulverisierten Werkstoffen nach vorgegebenen Maßen und Formen hergestellt werden. Für den Schmelzprozess werden überwiegend Kunststoffe, Kunstharze und Metalle verwendet.

Die multimateriale Technologie erlaubt dem Designer über den Drucker verschiedene Materialien gleichzeitig in einem Modell zu drucken. Das Verfahren wird mittlerweile von einigen weiteren Designern aufgegriffen und ist vorerst nur im Bereich der Haute Couture als Eyecatcher, sowie für Accessoires, wo Tragekomfort zweitrangig ist, vorzufinden.
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Die Vorteile der r(evolutionären) Technologie auf einen Blick:

Designerische Freiheit
Der Form-, Muster- und Farbgestaltung sind keine Grenzen gesetzt, völlig neue gestalterische Dimensionen tun sich für Modedesigner auf. Sehr komplexe Formen, die sich mit herkömmlichen Techniken nicht umsetzen lassen, werden möglich. Noch nie gesehene Designs sowohl in der Oberflächenkonstruktion als auch im Modellieren können die Modegeschichte neu schreiben. Einfache Materialverbindungen werden eine große Spielwiese für Designer aller Disziplinen bieten.

Keine Mindestmengenabnahme – kein Lager
Besonders interessant dabei für die Modebranche: es sind sowohl große als auch geringere Auflagen möglich, gedruckt wird nach Anfrage. Der Designer oder Hersteller ist nicht an eine Mindestabnahmemenge eines Stoffherstellers gebunden. Ein Lagerbestand ist nicht notwendig, da nur nach Bedarf gedruckt werden kann.

Individualisierung
Der 3D Drucker eignet sich sehr gut für Einzelanfertigung und ist damit ein geeignetes Werkzeug für Maßkonfektionierung und Maßanfertigung.
In einer der Zukunftsvisionen gestaltet der Kunde selbst seine Kleidungstücke am Computer selbst, speist seine Maße ein, bestellt die Produkte online oder druckt sie zuhause an einem eigenem open sourced Heim-3D-Drucker.Theoretisch kann der Kunde das gewünschte Design mithilfe von Body-scan auf den Körper angepasst werden, das digitale Abmessen ist bereits Realität.

Produktentwicklung (Rapid Prototyping)
Die Markteintrittszeit der neuen Produkte ist sehr kurz - sobald an einer 3D-Datei eine Designneuheit vorgenommen wird, kann mit der Produktion fortgefahren werden. Der schnelle Eingriff in den Gestaltungsprozess ist einer der größten Vorteile der 3D - Druck-Technologie. Die Prototypen können je nach Kundenfeedback in einem viel kürzeren Zeitraum erfolgen, sie ermöglicht Design-Updates in Tagen statt in Monaten. Die gesamte Produktionszeit wird damit verkürzt – je nach Komplexität der Kollektion kann sie theoretisch direkt nach der Show gekauft und in zwei Wochen geliefert werden.

Produktionsvereinfachung
Am Computer entworfene Modelle oder Modellteile werden auf Knopfdruck, ohne teure Werkzeuge und Maschinen (Bügelpresse, Ultraschall-Systeme zum Schweißen, Schneiden, Stanzen und Prägen, Knopflochmaschine) produziert.

Logistik
Transportwege und -zeiten können drastisch reduziert werden, sofern die Kleidungstücke regional angeboten werden oder gar im eigenen Heim produziert werden.

Kosten / Wirtschaftlichkeit
Zusammengefasst lassen sich die Kosten für das Material, Entwicklung, Herstellung, Lager und Transport, wesentlich verringern oder sie entfallen ganz. Stimmt das Preisleistungsverhältnis vom Herstellungsmaterial und bleiben die Kosten für den Betrieb und die Pflege des 3D Druckers im Rahmen des Bezahlbaren, ist das Verfahren eine mehr als günstige Alternative zur traditionellen Industrie.



Auswahl der Accessoires auf der Shapeways' Website


Die Nachteile:

Materialien
Die begrenzte Palette der zur Verfügung stehenden Materialien schränkt den Fortschritt in der Entwicklung der flexiblen und hautverträglichen Oberflächen ein.

Herstellung / Techniken / Handwerk
Der Einsatz der herkömmlichen Verschlusstechniken, Einlagen, Polsterungen, Taschenvariationen und sonstigen dekorativen und funktionalen Elementen und Nähte wird zu einer Herausforderung – in ihrer Ursprungsform werden sie entweder an Bedeutung verlieren und durch völlig neue Ideen kompensiert oder technisch neu interpretiert werden müssen.

Materialeigenschaften
Die physiologischen Eigenschaften der Materialen, wie Thermoregulierung und Schweißaufnahme bzw. -transport, sowie Tragekomfort, Wäsche und Pflege genügen noch nicht unseren alltäglichen Anforderungen. Sie spielen jedoch eine entscheidende Rolle dabei, ob die gedruckte Mode eine breitflächige Kundenakzeptanz findet. Der Einzug der Technologie in die Modeindustrie hängt im Wesentlichen davon ab, wie sich die eingesetzten Materialien mit unseren Vorstellungen und Ansprüchen vertragen.

Umweltfreundlichkeit / Nachhaltigkeit
Mehrere Punkte können in diesem Zusammenhang angesprochen werden, eins davon ist - die Effizienz im Materialverbrauch. Der Aufbauprozess an sich ist „restlos“ – verwendet wird nur soviel Substanz, wie benötigt wird. Sollen durch die spätere Verarbeitung Reste entstehen, kann der wiedergewonnene Rohstoff theoretisch durch das Einschmelzen zur Herstellung der neuen Materialien eingesetzt werden. Die Wiederverwendung der Rohstoffe nach dem Gebrauch des Kleidungsstückes hätte auf diese Weise den textilen Kreislauf geschlossen. Allerdings sind bis jetzt weder Dokumentationen noch Zahlen über den Widergewinnungsprozess veröffentlicht worden. Und darüber, wie schädlich oder unschädlich der Einsatz des Druckers ist, schweigen die Hersteller, sodass es die Umweltfreundlichkeit des Verfahrens in Frage gestellt werden kann. Nicht desto trotz sind einige Prozesse ökologisch vorteilhaft z.B. würde die Umstellung von der internationalen auf die regionale Logistik Millionen an CO2-Emissionen, die derzeit durch Transport verursacht werden, damit drastisch eindämmen können.

Fazit
Dadurch, dass Kleidungstücke nahtlos geformt werden können, verändern sich möglicherweise die Trageeigenschaften der Kleidung. Vielleicht werden sie besser, vielleicht werden sie nur anders. Die Form, das Design, die Verschlusstechniken und alles, was mit der Funktionalität und Leistungsfähigkeit der Kleidung zu tun hat, trägt wesentlich dazu bei, dass sich unsere Bedürfnisse und Ansprüche an Kleidung, gar der Umgang mit dem menschlichen Körper und der Mode womöglich ändern.





Iris van Herpen July 2013, Paris Haute Couture


Quellen:
http://www.irisvanherpen.com/haute-couture#hybrid-holism-haute-couture
http://www.shapeways.com
http://www.continuumfashion.com
http://www.nike.com/us/en_us/c/us-football/stories/2013/03/vapor-laser-talon