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Modedesigner ist ein harter Job. Viele Designerlabels kämpfen ums Überleben.

„Was macht Ihr?“ - würde mein Professor fragen. „Es ist doch Selbstbefriedigung.“ Es ist Mode. Sie zu entwerfen, diese Art von Kleidern, sie anzufassen, sie anzuschauen tut gut. In den Schöpfungsprozess abzutauchen ist das Größte. Ich kenne das Gefühl. Wie damit Geld verdient werden kann, ist eine andere Frage.

Alleine in Hamburg machen ca. 60 Modedesigner jedes Jahr ihren Abschluss. Drei Modeschulen sorgen unaufhörlich für den Nachschub. In Berlin gibt es sieben Institutionen, die Modedesigner ausbilden, dementsprechend hoch ist die Zahl der jährlichen Absolventen, ca. 200 Designer sind es. Hinzu kommen Modedesigner aus Düsseldorf, Reutlingen, München und noch an die achtzehn Weiteren Schulen und universitären Einrichtungen. Und wie viele freie Stellen genau in diesem Berufszweig stehen den Kreativen jährlich in Deutschland zur Verfügung? Zwanzig? Dreißig? Bei Weitem nicht ausreichend.

Jung, dynamisch, talentiert und arbeitslos. Die Schicksäle der Jungdesigner wiederholen sich Jahr für Jahr. Mit einer einwandfreien Abschlussnote geht es erstmal auf die Jobsuche. Nach einigen Monaten ohne Aussicht auf eine Einstellung oder ausbeuterischen Praktika findet sich die Notlösung – Selbständigkeit. Natürlich wollen einige angehende Designer eines Tages eigene Kollektion auf die Beine stellen und ein Designerlabel ihr Eigen nennen. Doch die Anzahl derer, die sich das gleich im Anschluß des Studiums vorstellen können, ist überschaubar. Meist ohne wirtschaftlichen Hintergrund, ohne Erfahrungen und Eigenkapital entscheiden sich Designer für die Gründung.
Von vornherein zum Scheitern verurteilt und noch bevor auch nur ein Funken der Geschäftsidee umgesetzt ist, stürzen sie, ohne es zu realisieren, in einen Investitionsstrudel hinein: Beratung, Businessplan, Patentente, Rechte, Ideenschutz, Visitenkarten, Webseite. Später kommen Atelier, Maschinen, Fremdleistungen, Stoffe, Marketing, PR, Modenschauen, Messen und vieles, vieles mehr hinzu. Die endlosen Strapazen, die neben dem Geld, Zeit und Energie erfordern ist der eigentliche Business. Entwurf ist nur zum geringen Prozentsatz darin vertreten. Und das nötige Geld wird im Nebenjob in unermüdlicher Hoffnung auf den Durchbruch verdient.

Irgendwann erscheint die erste Kollektion im Schaufenster und der Stolz, es geschafft zu haben, überkommt den Designer für eine Weile. Doch das Glück ist nicht von Dauer, denn der Verkauf findet nicht oder nur dürftig statt. Wie bekommt man die Kunden in den Laden, wie bewegt man sie dazu das Geld für die schöne Stücke auszugeben? Wie überzeugt man die Skeptiker von der Spitzenqualität und einer einmaligen Preisleistung? Die Rechnung geht nicht auf und die Einnahmen decken nicht die Ausgaben. Doch Designer sind in dieser Phase noch euphorisch von dem ersten persönlichen Erfolg. Sie haben hohe Hürden bewältigt, der Umsatz wird schon irgendwann kommen. Die Kommentare der „Allwissenden“ vertrösten sie: „drei bis vier Schwimmsaisons – auf Deutsch die Umsatz-Null-Runden – muss man schon als Anfänger miteinrechnen“.

Die bittersten Enttäuschungen sind aber nicht die überschaubaren oder kontrollierbaren Ausgaben, wie Fotoshooting oder Webpräsenz. Es sind die Geschäfte mit den unangefochten sicheren, schnellen und günstigen Lieferanten oder Produzenten, deren Qualität und Kapazität sich leider nicht ermitteln lassen. Der Geheimtipp des Konkurrenten entpuppt sich als Reinfall.
Es lange bis dem designer bewusst wird, dass nach monatelanger Arbeit - Entwurf, Konzeption, Gestaltung, Einkauf, Entwicklung - die Produktion im fernen Land schlichtweg nicht stattfand, verlorengegangen ist, oder den Mustern nicht entspricht oder einfach nicht pünktlich an die Einkäufer versendet werden kann. Der Designer kann nicht wissen, dass sein mickriger Auftrag in der to do Liste des Herstellers auf dem letzten Rang platziert wird und bedeutendere Kunde Vorrang haben, auch wenn sie zum späteren Zeitpunkt anfragen. Oft gehen dem Produzenten zu diesem Zeitpunkt die Zutaten oder Stoffe aus und er improvisiert, was letztendlich zu Unübereinstimmungen mit dem Muster führt. Der Produzent weis, mit wem er zu tun hat – mit einem Jungdesigner und seinem mangelnden wirtschaftlichen Hintergrund und lückenhaften Verträgen. Für den Ernstfall ist der Kreative nicht gewappnet, hat kein Geld für den Anwalt und Rechtschutzversicherung. Fremdleistung zu überwachen und zu kontrollieren hat er nicht gelernt, professionelle Qualitätskontrolle kennt er nicht und er weis nicht an welcher Stelle die Annahme des Vertrages statt findet und wie die Haftung geregelt ist. Zorn, Ärger, Zweifel und Vorwürfe lähmen den Designer zu handeln.

Der Vertragsbruch droht. Die Absagen der hart umworbenen Abnehmer bedeuten ein finanzielles Desaster. Dagegen scheint die Aufnahme eines neuen Kredits mit überhöhten Zinsen eine Farce, vorausgesetzt die Bank genehmigt. Er muss sich mit einem alternativ Stoff zufrieden geben, näht Tag und Nacht selbst, beschäftigt Praktikanten, Lohnnäher und wird fertig! Die Modenschau ist organisiert, die PR Agentur beauftragt, die Messe steht vor der Tür und die Hoffnung ist ungebrochen. Sie schwindet dann, wenn die Einkäufer ausbleiben. Die Schwierigkeiten der Startphase eines Jungunternehmers sind den Einkäufern bekannt, sie meiden den Designer wegen zweifelhaften Bonität, Liefer- und Qualitätsprobleme. Das allerwenigste, was sie wollen sind leere Regale zum Anfang der Saison und Imageverlust durch Reklamationen der Kunden. Misslungene Schnitte, kratzende Stoffe, platzende Nähte, färbende Futterstoffe sorgen dafür, dass früher oder später die Stücke zum Designer zurückkehren.

Wohin mit den Teilen? Reduzieren unter jede akzeptable Preisuntergrenze? Was macht man damit, wenn die Teile auch mit 80% Preisnachlass nicht verkauft werden? Bis dahin wusste der Designer noch nicht, dass das zum Alltag der Modebranche gehört. Statistisch gesehen, wird jedes Dritte Kleidungsstück in Deutschland nicht zum Originalpreis verkauft. Es scheitert an mangelnden Investitionen in Marketing und Vertrieb. Die Kleidungsstücke finden nicht den Weg zum Käufer. Die hochwertigen Kollektionen werden zu Überhängen.

Die letzte Lösung ist der Verkauf an Dritte. Aber das ist das größte Geheimnis überhaupt. Man redet nicht gerne darüber und bekommt keine Antworten auf die Fragen. Es ist ein Unheil, dass wir selbst hervorgerufen haben. Keiner will öffentlich zugeben, wie groß der Produktionsvolumen ist, der keinen Absatz gefunden hat. Wir kennen diese Auswüchse wie TKMaxx und brands4frands, sie sind allgegenwärtig. Auf die kleinen Labels haben sich einige Schlitzohren spezialisiert, sie machen Umsätze mit Tränen und Misserfolgen der Designer. (dazu im nächsten Beitrag)

Im besten Falle mit handvoll harterarbeiteten Groschen doch die meisten noch im Schuldenberg startet die neue Saison und der Wahnsinn beginnt von vorne. Nach zwei, drei Jahren gibt man auf, beantragt die Insolvenz oder ist mit einem Resistenzpanzer gewappnet und hat die Chancen zu bestehen.
Und mein Professor hat recht, es ist Selbstbefriedigung. Wird der kreative Prozess dem Business vorgezogen, wird es nicht einfach mit dieser Art der Selbstbefriedigung Geld verdienen.

Der Beitrag soll nicht zur Entmutigung dienen. Er soll dem Leser die Augen öffnen, ob Designer oder nicht. Der jenige gewinnt, der zu lernen fähig ist und einmal mehr aufsteht als fällt.

Viele anfängliche Fehler können vermieden werden, indem man sich darüber informiert, sich beraten lässt und von den Fehlern der anderen lernt. Die Modebranche ist nicht gerade für die Transparenz der Informationen bekannt. Jeder hütet sein kleines Geheimnis. Unsere Beiträge sollen für etwas Aufklärung sorgen, den Problemen auf den Grund zu gehen und die den Geheimnisse zu lüften. Sie sind herzlich eingeladen ein Teil davon zu werden. Schreiben Sie uns gerne Ihre Meinung an: info[at]pumproom.net