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Berlin und seine Geschichte als Modestadt

Ein berühmter Name für die fortschreitende Bedeutung der Salonkonfektion ist Herrmann Gerson. Sein Haus galt als Synonym für Eleganz bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Jede Frau verknüpfte in den 20er Jahren, mit Namen wie Gerson und Erna Becker die schönen, aparten Roben von reichen Frauen und Filmstars wie Marlene Dietrich und Elisabeth Bergner. Der Gründer der Firma Herrmann Gerson hatte neben der Fertigkleidung, die sich immer an der neuesten Pariser Mode orientierte, seit 1871 auch eine Maßabteilung eingerichtet. Aber vieles wurde auch bei der seriellen Herstellung mit der Hand genaht. Noch heute zeichnet die deutsche Konfektion die saubere Verarbeitung aus.

Zu den maßgebenden Häusern der Berliner Konfektion gehörten auch die von Frauen geleiteten Firmen. Allen voran sind die Salons von Clara Schultz und Erna Becker zu nennen. Vieles, was noch heute die Modewelt charakterisiert, stammt aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts: Seit 1917 gab es regelmäßig Modeschauen, zweimal im Jahr fanden Modewochen statt, die unter dem Begriff ,,Durchreise" auch nach dem zweiten Weltkrieg die Schauen der einzelnen Hauser vereinigten.

Beschäftigt man sich mit der Geschichte der Berliner Mode, stellt man fest, dass alle Merkmale, die heute den Modebetrieb international charakterisieren, bereits in Berlin im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts auftauchen; Es gab eine führende Modejournalistin, Elsa Herzog, und statt Puppen, auf denen die Modelle drapiert wurden, führten Mannequins die Kleider in Mode¬schauen vor. Das 1908 herausgegebene Handbuch der Baronin d'Orchamps gab Ratschlage, was man zu bestimmten Gelegenheiten und wann man welche Farben und Formen zu tragen hat. Damit war die Anlassmode, ja das Modediktat bereits eingeführt worden. Auch die heute legendären Modezeitschriften entstanden damals: ,,Die Dame" 1911, die ,,Elegante Welt" ein Jahr später.

Bemerkenswert und wohl eng mit ihrem Erfolg verknüpft ist, dafür in Berlin die Stellung der Pariser Mode als allein richtungweisend nie angezweifelt wurde. Das Selbstbewusstsein der Berliner Konfektionäre beruhte auf ihrer Fähigkeit, innerhalb der Weltmode durch handwerkliche und künstlerische Leistung die neuen Modeideen aus Paris in tragbare Kleidung zu übersetzen, sie allgemein verständlich zu interpretieren. Sie haben das Verdienst, dass die Berliner Modeindustrie jahrzehntelang eine Machtstellung und Weltgeltung erhielt.

Einer der Pluspunkte der Berliner Konfektionäre war, dass sie sehr schnell auf Neues reagierten und die nötige Reklame dafür machten: 1910 harte der Couturier Paul Poiret, der das geschnürte, mit Fischbein gesteifte Korsett abschaffte, seine neue Kleiderlinie in Paris gezeigt, bereits ein Jahr später wurde sie bei Gerson in Berlin vorgeführt.

Die Berliner Konfektion griff nicht nur den letzten Schrei aus Paris auf, auch Modeströmungen aus dem eigenen Land wurden umgesetzt, das Reformkleid und die im Umfeld des Werkbundes sowie der ,,Wiener Werkstätten" entstandenen Künstlerroben beispielsweise. Es gab sogar eine Herrenmodeschau in Berlin - früher als in Paris.
Die große Zeit waren die 20er Jahre bis zum Börsenkrach 1929. Wenn auch in eingeschränktem Maße überlebte die Berliner Mode doch dank der soliden handwerklichen Zwischenmeisterbetriebe auch das Nazireich und die „Arisierung" der Salons und namhaften Betriebe. Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges gingen die Direktricen der führenden Salons nach wie vor zu den Modewochen nach Paris. Als dann 1940 Frankreich besetzt worden war, kam Hitler auf die absurde Idee, die Pariser Couturehäuser nach Berlin umzusiedeln. Das Schlagwort ,,Deutsche, tragt deutsche Kleidung!" und die Blut- und Boden-Ideologie waren nur die eine Seite der Medaille.

Es lässt sich allerdings nicht bestreiten, dass in jenen Jahren mehr Trachtenkleider getragen wurden, als vorher und nachher in deutschen Städten üblich gewesen war. In Ländern wie Bayern, Hessen und im Schwarzwald, wo die Tradition der einheimischen Tracht noch lebendig war, ist auch nichts dagegen einzuwenden, dass auch eine Städterin, wenn sie der richtige Typ war: frisch und vollbusig - ländlich - sittlich -, ihre Herkunft betonte. Außerdem gehörte der Trachtenlook damals zum internationalen Trend. In Österreich ist die Tradition nie unterbrochen worden und bis heute hoffähig geblieben.

Im Nazireich haben übrigens selbst im Krieg Uniformen — anders als in England - für Frauen nur eine Nebenrolle gespielt. Die BDM-Madchen trugen ihre weißen Blusen, blauen Rocke und schwarzen geknoteten Schals kaum jemals außerhalb ihres Dienstes.

Wie auf vielen anderen Gebieten galt auch in der Mode zweierlei Maß. Man vereinfacht heute die NS-Ideale auf die Formel: Die Frau sei dazu da, eine gute Hausfrau zu sein und möglichst viele Kinder zu bekommen. Doch je mehr Länder Anfang des Krieges erobert wurden, desto elitärer gebärdete sich die Führungsschicht. Sie wollte auch gesellschaftlich international mithalten können. Magda Goebbels, Vorsitzende des neugegründeten deutschen Modeinstituts, verkündete die Lösung: ,,Die deutsche Frau der Zukunft soll schick sein und klug sein. Der Gretchentyp ist endlich überwunden." Sie hielt es für ihre Pflicht, schon auszusehen und modisches Vorbild zu sein, die deutsche Frau zu einem wahren Typ der Rasse zu machen.

In die gleiche Richtung wie die Worte von Frau Goebbels zielte die Verurteilung des ,,Moralinsaueren" durch ihren Mann. Kurz: Das neue Deutschland sollte keine Gesellschaft von puritanischen Spießern sein, sondern einen weltmännischen Glanz ausstrahlen. Doch der weltanschaulich überlasteten Mode fehlte alles Spielerische, der Nährboden für Kreativität. So gab es auf der einen Seite die kalte Eleganz der Diktatur und auf der anderen Seite die Blut-und-Boden-Romantik, die das Bild der deutschen Frau und Mutter prägte.

Erstaunlicherweise wurden nicht alle Berliner Modehäuser während des Krieges geschlossen. Als wichtiger Wirtschaftsfaktor, vor allem für den Export, erhielt die ,,Branche" sogar Unterstützung von der Regierung. Aber das reichte nach dem Krieg nicht zum Überleben. Das Modezentrum am Hausvogteiplatz gab es nicht mehr.